Adelenhütte

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Die Hütte unter Carl Otto Meurer[Bearbeiten]

Im Jahr 1875 kam die Schwerindustrie nach Porz. Zwischen Zündorf und Porz entstand nördlich des Rosenhügel die Gewerkschaft Karl Otto auf rund 160.000 qm, die von der Poststraße bis zur Hauptstraße reichten. Das Werk wurde nach der Ehefrau Adele, geborene Bunge (1852-1923) des Gründers Carl Otto Meurer (1841-1921) auch Adelenhütte genannt. Adele engagierte sich als Frauenrechtlerin - von 1909 bis zu ihrem Tod war sie Vorsitzende der Kölner Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins. Das kleine Eisenhüttenwerk bestand aus einem Hochofen, einer Zementfabrik und einer Steinfabrik, die seit 1880 grau-weiße Steine aus Gießereischlacken presste. Diese Steine wurden zu dieser Zeit beim Bau etlicher Häuser in der Möckeburg und auf der Hauptstraße verwandt. Leider wurden die letzten dieser Häuser zu Beginn der 1970er Jahre durch die Stadt Porz abgerissen. Zum Unternehmen gehörten auch mehrere erzverarbeitende Betriebe im Bergischen Land. Von ihnen trafen aus dem Sieg-, Lahn- und Dilltal die Erze per Eisenbahn ein, das ab Mitte 1876 errichtete Schienennetz der Werkbahn reichte dabei bis zu einem eigenen Schiffsanlager am Rhein[1].

Anzeige Generalanzeiger für Duisburg, 28.4.1897

Der moderne Hochofen ersetzte ältere Öfen in Mülheim, Arbeiter wechselten von dort nach Porz. Viele von ihnen waren wie der Fabrikbesitzer Meurer evangelisch. Da es im gesamten Porzer Raum keine evangelische Kirche gab, stiftete Otto Meurer Grundstück und das Material.[2] Die Lutherkapelle wurde 1883 mit 96 Plätzen nördlich des Werkes am Ende einer Seitenstraße der Poststraße, die später zur kleinen Siedlung Möckeburg anwuchs, errichtet. 1892 stellte das Unternehmen Dr. Georg Hollstein (1866-1933) als Werksarzt ein. Er ließ sich rund zehn Jahre später in Porz als erster Arzt nieder. Mindestens von 1888 bis 1916 war Fritz Seidelbach (+1928) Generaldirektor der Adelenhütte.

In den Jahren 1905/06 errichtete das Werk zehn Wohnhäuser für Arbeiter und weitere Wohnhäuser für seine Beamten. Letztere, an der späteren Hauptstraße gelegen, wurden durch einen Zaun eingefriedet. Zum Werk gehörte auch eine Kantine mit Wohnräumen für Arbeiter.

Das Werk gehörte dem Roheisensyndikat Düsseldof an. Im November 1905 beriet der preußische Landtag über einen Antrag der Adelenhütte auf Frachtermäßigungen bei der Reichsbahn, die der Eisenindustrie des Siegerlandes schon gewährt wurden. Es ging um eine Reduzierung der Eisenbahn-Frachtgebühren um 37.000 Mark für das Jahr 1904. Nach den vorgelegten Zahlen betrug der Roheisenversand der Adelenhütte

  • 1902 mit der Bahn 19.086 t, zu Schiff 13.000 t
  • 1903 mit der Bahn 11.320 t, zu Schiff 11.000 t
  • 1904 mit der Bahn 20.094 t, zu Schiff 16.000 t

Der Zement werde großenteils zu Schiff versandt, auch die Eisenerze würden zumeist auf dem Wasserwege bezogen, 1904 seien dies 60.000 t gegenüber 14.023 t mit der Eisenbahn gewesen. Die per Schiff eintreffenden Erze stammten aus Spanien, Griechenland, Frankreich und Algier. Die Erze per Eisenbahn hingegen überwiegend aus Deutschland. Weil die Adelenhütte keine Notlage nachgewiesen habe, wurde der Antrag ebenso abgelehnt wie zwei andere Anträge von Eisenwerken im mittelrheinischen Bezirk.[3] Zur Finanzierung des weiteren Ausbaus des Werkes gab das Unternehmen im Jahr 1906 eine Anleihe in Höhe von 1,2 Millionen Mark mit einer Laufzeit von fünfzehn Jahren aus. 1913 produzierte die Adelenhütte ausschließlich Hämatitroheisen. Im Jahr 1917 sucht die Adelenhütte einen Mieter für eine große Halle - ein Zeichen für eingeschränkte Produktion. Die Halle war 84 Meter lang, 15 Meter breit und 12 Meter hoch.

Neuausrichtung unter Carl Zoellner[Bearbeiten]

Anzeige Kölnische Zeitung v. 20.09.1923

Vermutlich während des Ersten Weltkriegs erwarb Carl Zoellner (1865-1943), ein Erzhändler aus Köln, die Adelenhütte. Der Hochofen war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in Betrieb, Zoellner richtete in den folgenden Jahren die Produktion neu aus. Im Werk war sein Sohn Ernst als Diplomingenieur tätig, Betriebsdirektor war E. Mette. Die Gießerei bestand weiter, 1920 suchte das Unternehmen Drehbänke, im selben Jahr wurde eine Abteilung Autogenschweißerei eingerichtet. Das Werk produzierte unter anderem Universalbrikettkessel und annoncierte sie als Zentral-Heizungen. Zum Sortiment gehörten auch Windkessel, Wasserabscheider, Becher, Bunker und Greifer zum Ausladen von Schüttgut. Im Jahr 1924 erschienen mehrere Zeitungsanzeigen, die den Umschlag von Gütern über die werkseigene Ladebrücke und die Werksbahn annoncieren.

Stillegung durch den Roheisenverband[Bearbeiten]

1927 kam es zu Preiskämpfen auf dem Roheisenmarkt. Zoellner sah die Chance, den Hochofen wieder in Betrieb zu nehmen. Er schloß einen Vertrag über die Lieferung von Roheisen mit der Gießerei Röchling, welche vom Roheisenverband mit Boykott bedroht wurde. Zunächst erhielt Zoellner auch von einem Bankenkonsortium die Zusage zur Finanzierung der Modernisierung. Doch dann machte ihm das Konsortium ein offensichtlich sehr lukratives Kaufangebot für die Hütte. Er willigte ein und so kam die Fabrik in den Besitz von Mitgliedern des Roheisenverbandes, in deren Auftrag die Banken gehandelt hatten. Das erklärte Ziel war es, den Hochofen endgültig stilllegen und so eine mögliche neue Konkurrenz abzuwehren; zudem wurde in der Folge auch der Vertrag mit der Gießerei Röchling nicht erfüllt.[4]. Der Abbruch des Ofens erfolgte im Jahr 1929, damit war das Eisenwerk Geschichte. Zugleich mit dem Ofen wurden auch die weiteren Produktionsstätten abgewickelt und durch Verkauf verwertet. In den 1930er Jahren kauften eine Spicher Fabrik feuerfester Steine und eine Koksofenfabrik aus Oberhausen das Gelände, konnten aber ihre Planungen für neue Industrieanlagen an diesem Standort, auch durch den 2. Weltkrieg nicht verwirklichen[5].

Heute erinnert noch die 1964 errichtete Straße In der Adelenhütte an den früheren Standort.

Quellen, Literatur und Links[Bearbeiten]

(Text)

  1. Ein historisches Foto einer Werkslokomotive mit Waggons findet sich in KStA v. 15.1.1959.
  2. 1876 hatte der katholische Pfarrer von Zündorf, Granderath, noch gehofft, das Industriewerk werde zur Vergrößerung auch seiner Gemeinde, gar zu einer neuen Kirche führen. Bereits drei Jahre später befürchtete er, "daß Otto Meurer, der Besitzer des Etablissements, den Protestantismus in der hiesigen Gegend befördert". Zit. nach der Pfarrchronik Zündorf, abgedruckt in Boley: Beiträge zur Ortsgeschichte von Ober- und Niederzündorf. Köln 1991.
  3. Stenografische Bericht Preußischer Landtag 1906, S. 528
  4. Kölnische Zeitung v. 31.8.1927
  5. vgl. KStA v. 26.3.1959 (mit Fotos)