Zum Beschlussantrag der SPD-Ratsfraktion zu Zündorf Süd

In der Sitzung des Rates am 14.11.2017 wird über den Antrag der SPD diskutiert und abgestimmt werden. Die Ausführungen der SPD konnten und wollten wir nicht unkommentiert lassen und haben den nachstehenden „Offenen Brief“ den Zuständigen und Verantwortlichen zugeleitet.

Offener Brief, Porz, den 08.11.2017

Chancen für Zündorf oder absehbares Chaos?

Sehr geehrte Frau Reker, sehr geehrte Verantwortliche in Politik und Verwaltung,

mit großem Erstaunen stellt der Bürgerverein Zündorf fest, dass die SPD-Ratsfraktion für die nächste Ratssitzung am 14.11.2017 einen Antrag eingebracht hat, durch den jetzt die Planungen für Zündorf-Süd wieder aufgenommen werden sollen.

Hintergrund hierbei ist, dass ein Ratsbeschluss zu einem städtebaulichen Wettbewerb Zündorf-Süd aus 2014 ausgesetzt wurde, um zunächst Lösungen für die sich ständig verschärfenden Verkehrsprobleme in Zündorf zu finden.

Fakt ist aber, dass es Politik und Verwaltung seit über 40 Jahren trotz vieler Versprechungen nicht geschafft haben, hierzu brauchbare Konzepte umzusetzen.

Sinnvolle Pläne für eine Umgehungsstraße mit einer bedarfsgerechten Führung Richtung Norden waren schon vor über 20 Jahren vom Rat beschlossen und in den Flächennutzungsplan aufgenommen worden (L 82-6n). Die Trasse sollte um Zündorf herum auf die Poststraße und von dort weiter in Höhe von Porz-Elsdorf auf die A 59 geführt werden. 2006 wurden diese Pläne von der Politik aber in der Priorität weit zurückgestuft und damit zunächst „beerdigt“.

Stattdessen wurde jetzt – 10 Jahre später – ein zeit- und kostenaufwändiges neues Gutachten für alternative Trassen erstellt, das mit fragwürdigen Methoden zu dem Lösungsvorschlag kam, den Zündorfer Verkehr nach Südosten zu führen, wo fast niemand hin will.

Diese Lösung wurde dann nach Intervention der Porzer Bürgervereine von der Politik ebenfalls als unbrauchbar verworfen.

Ob jetzt durch die Erweiterung der Machbarkeitsstudie die L82-6n „wiederbelebt“ werden kann, ist noch völlig offen. Der hierfür erforderliche Autobahnanschluss ist in der Umsetzung noch unklar und wurde bisher in der Planung zum Ausbau der A59 nicht berücksichtigt.

Damit stehen wir Zündorfer erst einmal weiterhin mit leeren Händen da bzw. „im Stau“!

Am 19.10.2017 erklärten die Landesbetriebe bei der öffentlichen Vorstellung der Planung zum Ausbau der Autobahn A59, dass die aktive Bauphase bei gutem Verlauf frühestens 2024 beginnen kann. Bei einer zu erwartenden Bauzeit von ca. 5 Jahren ist nicht vor 2029 mit einer Steigerung der Leistungsfähigkeit der A59 zu rechnen.

Vorher wird auch keine der derzeit diskutierten Umgehungsstraßen einen abfließenden Charakter haben können.

Die KVB hat in jüngster Vergangenheit auf mehreren öffentlichen Veranstaltungen bekundet, dass die Leistungsfähigkeit der Linie 7 weitgehend erschöpft bzw. in einigen Zeitfenstern bereits überschritten ist und auch wegen des Engpasses zwischen Deutz und dem Neumarkt in absehbarer Zeit nicht wesentlich gesteigert werden kann. Lösungsvorschläge werden seitens der Verkehrspolitiker und der KVB nicht angeboten. Vorschläge der Bürgervereine werden ignoriert.

Die bereits beschlossene Umnutzung des Deutzer Hafens mit rd. 20.000 Menschen wird zusätzlich die Linie 7 ab dem Jahr 2020 überlasten.

Dies betrifft neben der Linie 7 auch die Linien 1 und 9, weshalb Planungen laufen, den betroffenen Abschnitt der Ost-West-Achse als U-Bahn auszubauen. Ein öffentliches Beteiligungsverfahren hierzu soll nun starten. Auch hier ist damit zu rechnen, dass eine Realisierung mindestens 10-15 Jahre brauchen wird.

Wie man nun denken kann, dass eine Verlängerung der Linie 7 um zwei Stationen ein Neubaugebiet für ca. 8.000 neue Einwohner in Zündorf rechtfertigen könnte, ist uns nicht verständlich, zumal auch keine Umgehungsstraße eine Entlastung bringen kann, da noch nicht vorhanden.

Gleichzeitig werden auch alle bekannten und von den zuständigen Behörden nicht bestrittenen Umweltprobleme außer Acht gelassen.

Nachgewiesene und für das Kölner Innenstadtklima bedeutende Kaltluftentstehungsgebiete werden durch die Bebauung vernichtet. Dass dies fatale Auswirkungen – auch für die Gesundheit der Kölner Bevölkerung und deren Besucher – haben wird, ist bereits bekannt und muss nicht neu untersucht werden.

Der Vollständigkeit halber wird noch ergänzt, dass selbst für die Attraktivierung des Radverkehrs – trotz vielfältiger Vorschläge des Bürgervereins Zündorf und des ADFC – seit Jahren hier nichts passiert.

Wenn die SPD jetzt in ihrem Antrag erklärt, dass sich das stadtplanerische Werkstattverfahren für Zündorf und die Untersuchungen zu der verkehrlichen Infrastruktur gegenseitig „hemmen“, können wir nur feststellen, dass brauchbare Verkehrslösungen seit über 40 Jahren immer wieder zerredet oder verschoben und Lösungsvorschläge der Bürger ignoriert wurden und werden.

Hier hemmt sich also nichts gegenseitig – es fehlen schlicht die Grundlagen für ein riesiges Neubaugebiet!

Erst recht unehrlich wird das Ganze, wenn hinter verschlossenen Türen von Investoren, Politik und Verwaltung vor der „Haustür“ Zündorfs auch noch ein weiteres großes Wohnbauvorhaben „Wahn-West“ mit bis zu 6.000 weiteren Neubürgern in dieser Region geplant wird und die Bürger, wie gehabt, nach Salamitaktik erst mal Zündorf-Süd schlucken sollen!

Es fehlt daher jede Grundlage für einen Beschluss über diesen Antrag.

gez. Hans Baedorf
1. Vorsitzender

gez. Reiner Lindlahr
2. Vorsitzender

https://buergerverein-zuendorf.de/index.php

Nachzulesen ist der Antrag unter AN_1565_2017_SPD_Antrag_nach_167_3

  1 Kommentar zu “Zum Beschlussantrag der SPD-Ratsfraktion zu Zündorf Süd

  1. Karin Michel
    12. November 2017 um 12:07

    Mich wundert dieser SPD-Antrag nicht. Die aktuelle Forderung des BV Zündorf, als Umgehungsstraße die alte, vor Jahren verworfene Trassenführung von der Ranzeler Str. über die Zündorfer Felder in die Verkehr-Machbarkeitsstudie aufzunehmen, war doch eine Steilvorlage für alle in Politik und Verwaltung, die das Großbauprojekt „Zündorf-Süd“ unbedingt durchziehen wollen. Ein tolles Eigentor!
    Vor einem Jahr war man sich im Vorstand des BVZ – jedenfalls nach außen hin – noch einig: Umgehungsstraße durch die Zündorfer Feldflur = Erschließungsstraße für „Zündorf-Süd“. „Wir lassen uns nicht durch eine Umgehungsstraße über die Zündorfer Freiflächen erpressen. Dann ist es das Beste für Zündorf, es bleibt alles so, wie es jetzt ist.“ So Herr Baedorf auf Veranstaltungen des BVZ.
    Karin Michel

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