Porz-Mitte: Zukunft ist machbar

rathaussaal

Voller Saal (alle Fotos: porzerleben.de)

Wohl noch nie hat man in Porz Vertreter der Kölner Verwaltung so zahlreich und ausdauernd versammelt gesehen, wie am gestrigen Donnerstag abend. Der Rathaussaal war zum Bürgerworkshop voll besetzt, als die Stadt zum Gespräch über die weitere Planung der Porzer Mitte geladen hatte. Nicht nur Oberbürgermeisterin Henriette Reker war den ganzen Abend anwesend, sondern auch Wirschaftsreferentin Ute Berg, Stadtbaurat Franz-Josef Höing und mit ihnen viele Mitarbeiter aus den beiden Dezernaten, sowie beauftragte Stadtplaner und Architekten. Diese Aufmerksamkeit für Porz wurde von den Anwesenden mit deutlichem Wohlwollen gegenüber dem Engagement der Planer insgesamt honoriert.

Konkret ging es an dem Abend unter der souveränen Moderation von Stadtplaner Prof. Dr. Franz Pesch um die Vorbereitung eines Bebauungsplans für den engen Bereich rund um das Kaufhausgebäude. Eingebettet ist diese Planung aber in die Diskussion um die Zukunft eines Areals, das als Stadterneuerungsgebiet von der DB-Strecke bis zum Rhein, von der Bergerstraße bis Mühlenstraße reicht.

OB Reker betonte in ihrer Begrüßungsrede, wie sehr ihr an einer möglichst zügigen Realisierung gelegen sei. Sie könne sich auch einen ständigen Beirat aus Porzer Bürgern vorstellen. Jörg Lehnerdt, Handelsberater von der BBE, kam in seinen Analysen zu dem Schluss, das Porzer Zentrum zeige heute nur die Merkmale eines Nahversorgungszentrums und sei von einem Stadtbezirkszentrum oder gar einer Innenstadt weit entfernt. Dies gelte sowohl für das Angebot wie für das Einkaufsverhalten. Zudem zeigte er eine Grafik, nach der die gesamte Einzelhandel-Verkaufsfläche im Porzer Zentrum mit 11.600 qm nur rund ein Drittel der Troisdorfer Innenstadt und etwa ein Viertel der Kalker Innenstadt umfasst.

planungskonzept

Das aktuelle Planungskonzept

Der Rat der Stadt Köln hatte Mitte September 2015 in der Folge des Bürgerworkshop vom 26. März 2015 die Variante B1 der Machbarkeitsstudie beschlossen. Dies ist der Ausgangspunkt des Planungskonzepts, das den Porzern von Elke Müssigmann vom Stadtplanungsamt und von Andreas Röhrig, neben Bernd Streitberger weiterer Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft „moderne stadt“, vorgestellt wurde. Er erläuterte die drei neuen Baukörper mit ihren drei bis vier Vollgeschossen in ihrer Architektur genauer, zeigte die möglichen Flächen für einen großzügigeren Wochenmarkt auf, und ging auf die verschiedenen Sichtachsen ein. Die Erdgeschosse werden Geschäfte, darüber insgesamt rund 150 Wohnungen. Als neue Geschäfte seien besonders Marktentextilien anzustreben, aber auch ein „Vollsortimenter“ (wohl ein Lebensmittelmarkt mit erweitertem Sortiment, gerüchteweise REWE) wurde immer wieder als erstrebenswert hervorgehoben.

Diskussionen

Diskussionen am „Freiraum“-Tisch

Anschließend hatten die Anwesenden Gelegenheit, an vier Thementischen zu den Bereichen Verkehr, Einzelhandel, Freiräume und Städtebau den hierfür zuständigen Planern Fragen zu stellen und eigene Vorstellungen zu äußern. Diese Tische waren im Foyer aufgebaut, wo sowohl eine drangvolle Enge als auch ein starker Geräuschpegel herrschte. Das dürfte etliche der anwesenden Bürger leider abgeschreckt haben, mitzutun. Dennoch kamen viele Anregungen zusammen, unter denen sicherlich auch einige sehr bedenkenswert für das Planungsteam sein dürften.

Im Plenum wurde anschließend über die Diskussionen an den vier Tischen berichtet. Verkehrlich ist die Hauptstraße die größte Herausforderung. Sie ist ja bereits heute schon überlastet und wirkt als trennende Schneise zum Rheinufer. Die Details der Tiefgarage und die Parkplatzsituation wurde auch breit erörtert. Hinsichtlich des Einzelhandels waren etliche Bürger skeptisch, ob gerade ein Supermarkt („Vollsortimenter“) in der Stadtmitte direkt gegenüber der Kirche St. Josef die notwendige Anziehungskraft für das Zentrum entfalten kann.Gewünscht wurden vor allem mehr Gastronomie, viele Schaufensterflächen und auch Angebote für junge Menschen – z.B. ein Kino.

Ertrag

Der Ertrag am Tisch „Städtebau“

Die Gestaltung der Freiräume soll so attraktiv werden, das man sich nicht nur zum Einkaufen gerne im Zentrum aufhält: Stadtmöblierung, mehr Aufenthaltsflächen, ein deutliche Sichtachse und attraktive Passage zum Rhein, überhaupt am Rhein nicht nur Verwaltung, sondern deutlich attraktive Angebote, vielleich gar im Erdgeschoß des Rathausbaus. Und städtebaulich wurden die Dachgestaltungen diskutiert, die Breiten der Straßen, die Höhe der Bebauung, aber auch die Barrierefreiheit einer überarbeiteten Brückenkonstruktion.

Kurzum – es gab viele konstruktive Anregungen in einer sehr produktiven Atmosphäre. Die Veranstalter und die Porzer dürfen zufrieden sein. Allerdings: Das Ganze bleibt eine „riesige Herausforderung“ (Wirtschaftsdfezernentin Berg) – finanziell und planerisch. Schließlich sind die Kassen der Stadt recht geleert, das Dechant-Scheben-Haus muss von der katholischen Kirche erworben werden und vieles im Umfeld läßt sich nur mit Fördermitteln von Land und Staat umsetzen, die über die Ausweisungen des Stadterneuerungsgebietes erst noch eingeworben werden müssen. Damit bleibt der Zeitplan bis zu einer revitalisierten Innenstadt weiterhin vage. Ziel ist es, dass der Rat bereits nach der Sommerpause die Satzung des notwendigen Bebauungsplans beschließt und die Gesellschaft „moderne Stadt“ noch dieses Jahr zum Eigentümer sämtlicher notwendigen Gründstücke wird. Erst dann könne über einen Abriß des Kaufhauses nachgedacht werden, den die Planer allerfrühestens für das Frühjahr 2017 voraussagen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte lösen Sie diese Aufgabe: *