„Die falschen Signale aus Porz“

DSCN6223Bauspielplatz sperrt Aufnahme von Flüchtlingskindern – Stadt lehnt Kostenbeteiligung ab

„Wir heißen die Wahner Flüchtlingsfamilien willkommen“, berichtete der Fördervereinvorstand des Bauspielplatzes Senkelsgraben in Wahnheide am 17. Juni bei porzerleben. Die Resonanz darauf kam für dien Vereinsvorstand überraschend, denn obwohl die neue Wahner Unterkunft erst im Herbst rund 120 Flüchtlingsfamilien beherbergen soll, stieß das Angebot bei Urbacher Flüchtlingsfamilien auf offene Ohren. Aber am Ende will die Stadt die Betreuungskosten alleine auf die Ehrenamtler abwälzen.

„Genügend Hunger und Platz ist da“:

„Innerhalb weniger Tage erhielten wir von städtischen Betreuern der Urbacher Flüchtlinge die Anfrage zur Betreuung von 30 Flüchtlingskindern auf dem Bauspielplatz. Da wir uns zunächst auf die ankommenden Wahner Flüchtlinge vorbereiten wollten, haben wir zunächst Betreuungszusagen für vier Flüchtlingsfamilien für ein Dutzend Kinder abgegeben“, so Vereinsvorsitzende Marion Tillmann.

Weil dem Verein für den zusätzlichen Betreuungsaufwand die Personalkosten fehlen, hatten die Privatleute zunächst  auf eine Erhöhung der städtischen Regelförderung um 5.000 Euro gesetzt. Die wurden im Rahmen der Haushaltsplanberatungen abgelehnt. Ein weiterer Versuch in einem anderen Dezernat der Stadt, das für die Flüchtlingsbetreuung und Integration verantwortlich ist, endete ebenfalls mit einer schriftlichen Absage an die Offerte der Ehrenamtler, die genügend vorhandenen Flächen, Unterkünfte und Spielangebote (u. a. ein neuer Beachvolleyballplatz) zur Flüchtlingsbetreuung bereit zu stellen.

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft besuchte den Bauspielplatz im Sommer letzten Jahres („WIR lassen kein Kind zurück“-Wahlkampf-Tour) und lobte dabei das herausragende Engagement des Vereins, der sich in vorbildlicher Weise für Kinder und Jugendliche einsetzt. Sie zeigte sich verwundert, dass der Betrieb ab Ende Oktober bis in den März über 5 Monate schließen müsse, weil kein Geld für Personal bereitgestellt werden kann. (https://porzerleben.de/jugend/18717-bauspielplatz-senkelsgraben-wir-wollen-noch-mehr-anbieten).

Der SPD-Ortsverein Wahn, Wahnheide, Lind, Libur hatte sich ebenso wie der örtliche Bürgerverein Wahn, Wahnheide, Lind  und auch die Porzer SPD in ihrem Kommunalwahlprogramm mit einstimmigem Beschluss für eine Mittelaufstockung mit dem Ziel der Ganzjahresöffnung ausgesprochen. Es muss daher schon verwundern, dass gerade der von SPD und Grünen im Kölner Rat gestellte Oberbürgermeister Jürgen Roters bei allem Zuspruch hier jede Hilfsbereitschaft durch seine Dezernate versagen lässt. Gerne wird der Förderverein und der Bauspielplatz von ihm als Start- ud Ausflugsziel etwa für Fahradtouren durch Porz benutzt, und mit dem neuen Porzer Bezirksbürgermeister traf er sich viel öfter zum Kaffeekränzchen.

Und weil für Küchenhilfen bald der Mindestlohn gilt, rechnete der Verein in seiner Budgetplanung mit einer insgesamt um 5.000 Euro erhöhten Kostenbeteiligung der Stadt, die für 2014 beantragt wurde, um zusätzliche Flüchtlingsangebote für die Stadt durch bürgerschaftliches Engagement zu ermöglichen …

„Der Geschäftsführende Vorstand sah sich in dieser widrigen Situatuon jetzt gezwungen, die Notbremse zu ziehen und hat sein Betreuungsangebot inzwischen schriftlich zurückgezogen. Ferner mussten wir einen vorläufigen Aufnahmestopp für weitere Flüchtlingskinder aussprechen, da unsere Betreuungskapazitäten mit den Stammgästen unserer Einrichtung zumal in den Ferienzeiten mit warmer Mittagsmahlzeit insoweit vollends ausgelastet sind“, erklärt Geschäftsführer Karl-Heinz Tillmann die eingetretene missliche Situation.

Marion Tillmann: „Wir wollten die Flüchtlinge willkommen heißen und werden ohne städtische finanzielle oder personelle Beteiligung gezwungen genau die falschen Signale zu setzen. Das ist beschämend und wirft erneut Schatten auf unser schönes Veedel“.

Mit aktuell 130 Mitgliedern kümmern sich die Ehrenamtler täglich um 50-60 Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren, die während der gesamten Ferienzeiten täglich von 12 bis 18 Uhr betreut werden und dabei ein Mittagessen a´ 60 Cent erhalten, das gemeinsam mit dem Küchenpersonal zubereitet und gemeinsam genossen wird. Der Fördervereinsvorstand wird in seiner nächsten Sitzung über die Bestätigung des Aufnahmestopps und die weitere Zukunft des Bauspielplatzes mangels fehlender Unterstützung durch die zuständigen Stellen der Stadt Köln beraten. Dabei ist auch eine zwangsweise Betriebsschließung in 2015 angedacht, um Strategien zu entwickeln, wie es langfrsistig am Senkelsgraben ggf. ohne bürgerschaftliches Engagement weitergehen soll.

Die Stadt hatte bei ihren Informationsveranstaltungen zu den neuen Flüchtlingsansiedlungen u. a. in Porz-Wahn öffentlich auch durch ihre Dezernentin Henriette Reker erklärt, dass sie vor Zuweisung der Flüchtlingsfamilien mit ergänzenden schulischen, sozialen und integrativen Angeboten zusätzliche Rahmenbedingungen für die neuen Flüchtlingsfamilien schafft. Nun muss sie erklären, warum just zu dem Zeitpunkt, wo Wahn neue Bewohner erhält, ein Porzer Verein mit Aufnahmestopp Flüchtlingskindern den Zugang zu einem privaten Kinderparadies am Senkelsgraben verwehren muss.

Bild: „Genügend Hunger und Platz ist da“ (Karl-Heinz Tillmann)

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