Der „heiße Stein“ im Sozialen Brennpunkt

Was wird aus dem „kühlenden Tropfen“ ?

Jeder kennt das Sprichwort vom steten Tropfen, der den Stein höhlt. Und wir wissen auch, was der „kühlende“ Tropfen für den „heißen Stein“ bedeutet. Doch was geschieht eigentlich konkret, wenn der berühmte „Tropfen auf dem heißen Stein“ versiegt, welcher sich im Zentrum eines Sozialen Brennpunktes befindet ?

„Wir dürfen keine Kinder verlieren“ und „Wir benötigen mehr Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche“ fordern Politiker in Stadt und Land im aktuellen Landtagswahlkampf. Das hört sich insbesondere für Kinder in Sozialen Brennpunkten gut an, wäre da nicht der städtische „Sparkurs im Rasenmäherprinzip“, der Mittelkürzungen für freie Träger gerade solcher Kinder- und Jugendeinrichtungen befürchten lässt.

Der kleine Julian ist gerade mal 5 Jahre alt und tummelt sich täglich mit den Brüdern Philip (6) , Mikel (14) sowie den älteren Schwestern auf dem Grünzug vor dem Lärmschutzwall am Senkelsgraben. Gemeinsam leben die 5 Kinder mit ihren Eltern in der Wohnung der Großeltern auf 4 Zimmern in der Gernotstraße, an deren Ende sich der Bauspielplatz Senkelsgraben befindet.

„Gottseidank gibt es den privaten Förderverein, der ein 6.500 qm großes Spielgelände mit Rutschbahn, Streetballanlage, Betontischtennisplatte, Fußballkickern und einem eigenen Bolzplatz mit Metallgitter-Toren vorwiegend für Kinder zwischen 6 und 14 Jahren betreibt“, lobt Julians Mutter das Bauspielplatzangebot in ihrer Nachbarschaft.

Eigentlich sucht die kinderreiche Familie seit langem eine eigene Wohnunterkunft, jedoch „so viele Kinder sind oft ein Ablehnungsgrund bei der Wohnungsvergabe“, beklagt die Familie.

„Wir sind in erster Linie für diese Kinder da, um gerade benachteiligten Familien ein sinnvolles Freizeitangebot bei spürbar wachsender Armut einschließlich einer warmen Mittagsmahlzeit in den gesamten Ferien zu bieten“, erläutert Fördervereinsvorsitzende Marion Tillmann das ehrenamtliche Engagement in Wahnheide.

Aber der Bauspielplatz hat nicht nur in den Ferienzeiten, sondern auch ganzjährig außerhalb der Schulferien montags bis freitags geöffnet – von der witterungsbedingten Winterpause zwischen November und März abgesehen, die wegen drohender Wasserrohrbrüche in der Frostperiode zur Schließung zwingt: „Gerne würden wir unser Spielangebot insoweit noch erweitern, jedoch eine Grundsanierung der vorhandenen Wasserleitungen ist für uns aus Kostengründen ausgeschlossen“, ergänzt Geschäftsführer Karl-Heinz Tillmann.

Tatsächlich sieht es mit der Finanzierung des vorbildlichen Projektes am Wahnheider Senkelsgraben eher düster aus, denn alleine aus den rückläufigen Mitgliedsbeiträgen lässt sich das Angebot insgesamt nicht mehr tragen. Aus diesem Grunde hatte der Vereinsvorstand ab 2008 nach langwierigen Verhandlungen mit der Stadt erreicht, dass diese einen jährlichen „Regelbeitrag“ in Höhe von 10.000 Euro zur Fortführung des bis 1994 in städtischer Regie geführten Bauspielplatzes leistet.

Dieser berühmte „Tropfen auf den heißen Stein“ ist für die Stadt tatsächlich vergleichsweise „spottbillig“:

Bei weit über 500 Öffnungsstunden im Jahr mit bezahlten Honorarkräften für Erzieher, Betreuer und Küchendienst macht das gerade mal 20 Euro/Stunde aus, um in den Ferien täglich zwischen 50 – 70 Kinder zu verpflegen und sinnvoll zu beschäftigen.

„Eine Kostenbilanz, die im Vergleich mit allen anderen Einrichtungen dieser Art einmalig ist, weil sie durch freiwillige, ehrenamtliche Zuarbeit sowie durch Spenden z. B. für das Mittagessen und Spielangebote ermöglicht wird“, hebt Vorsitzende Marion Tillmann hervor.

Nun setzt der 8-köpfige Vereinsvorstand darauf, dass die Stadt Köln bei dem gebotenen Sparkurs „mit Augenmaß statt mit dem Rasenmäher vorgeht und dabei differenziert, wo 1 Euro in der Kinder- und Jugendarbeit wieviel für die praktische Arbeit insbesondere in  Sozialen Brennpunkten vor Ort bedeutet“.

Und man hofft darauf, dass aus dem heißen Stein kein „heißes Pflaster“ wird …

www.bauspielplatz-senkelsgraben.de

  1 Kommentar zu “Der „heiße Stein“ im Sozialen Brennpunkt

  1. Peter Gammersbach
    26. März 2010 um 13:08

    Liebe Frau Tillmann,
    lieber Herr Tillmann!
    Mit Ihren Ausführungen stimme ich voll inhaltlich überein. Gerade in Zeiten wie diesen, wo man sich nach neuen Finanzierungsquell umschaut, könnte eine Förderung des Spendenwesens wirklich ein Segen sein.

    Leider geht man in Deutschland den anderen Weg. Man besteuert und „verabgabt“ gerade die Leistungsträger in einem Maße, dass einfach die Lust auf weiteres Engagement vergehen kann. Man sagt sich ja, „ich hab schon…“.

    Genau wie Sie schildern werden allerdings bei privatem Engagement i.d.R. aus einem Euro oft zwei, drei oder mehr. Gleichzeitig wird etwas befördert, was zum Wohle aller gar nicht bezahlt werden kann. Ich meine der Gemeinschaftssinn. Die Einstellung zu helfen und Gutes zu bewirken.

    In diesem Zusammenhang glaube ich auch, dass man genau den umgekehrten Weg gehen sollte. Wie würde es sich z.B. auswirken, wenn eine gemeinnützige Spende (meinetwegen auf die Summe begrenzt) von 10.000 Euro sich mit einer steuerlichen Absetzbarkeit von 15.000 Euro nieder schlagen würde? Der steuerliche „Verlust“ beliefe sich auf max. 2.500 Euro, der Gewinn für die Gemeinnützigen würde dagegen 10.000 Euro betragen!

    Ich denke, Deutschland würde zahllose zusätzliche gemeinnützige Initiativen erhalten und bestehende ausbauen, die bedeutend effektiver als staatlich Institutionen arbeiten können. Ich fürchte nur, dass es den meisten vorhandenen Strukturen lieber ist, wenn zunächst einmal aus 1 Euro 30 Cent wegverwaltet, 20 Cent vielleicht sinnfremd verwendet und der Rest dann ankommend verwendet werden.

    Felder gibt es genug. Kinder,Schüler, Alte, Kranke, Arbeitssuchende usw..

    LG
    Ihr
    Peter Gammersbach

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