Kabarett im Engelshof

„Nur fünf neue Gesichter?“ Christian Bechmann mochte nicht glauben, vor einem so eingeschworenen großen Stammpublikum zum 22. Mal im Engelshof „Escht Kabarett“ zu präsentieren. Zweimal für fünfzehn Minuten zeigten diesmal Joachim Zawischa, Vera Deckers und Torsten Schlosser ihr Können.

Der Schauspieler und Kabarettist Joachim Zawischa, wohnhaft in Hamburg, kommt aus „der DDR“. In den gezeigten Ausschnitten aus seinem Soloprogramm„Vorn ist Hinten“ fehlen entsprechend auch Sachsenwitze nicht. So zum jüngsten TV-Geräte-Trend: „Schon in der DDR wollten alle 3D haben: Datscha, Drabbi, Delefon.“ Zawischa brachte lebhaft einen bunten Reigen von Spott und Gedanken zu den Themen Bin Laden, Wahlen in Baden-Wpürttemberg, Merkel, Senioren und technischer Fortschritt auf die Bühne.

Der zweite Block war konsistenter: Ein Streifzug durchs TV-Programm gipfelte im Zwiegespräch der Fußballkommentatoren Günter Netzer und Gerhard Delling über einen Supermarkt-Einkauf des Busfahrers der Nationalmannschaft.

Die Kölnerin Vera Deckers ist dem Publikum auch durch ihre Auftritte bei der Kölner Comedy-Show „Nightwash“ bekannt. Allerdings war das Porzer Publikum deutlich gesetzter. Das merkte Deckers rasch, als die „gelernte Psychologin“ (echt!) wort- und pointenreich über ihre Beziehungsprobleme nachdachte. Vor ihrem Ausflug in die Untiefen der Social Communities fragte sie nämlich ins Publikum, wer von den Anwesenden bei Facebook sei. Niemand. Und wer hat ein iPhone? Wieder niemand. „Bruche mer nit“ schallte es ihr stattdessen entgegen. Deckers nahm’s gelassen. Und gelangte über anätzende „ideale Paare“, Kinder und Single-Börsen treffsicher zu den Grausamkeiten des Werbefernsehens.

Nach der Pause ließ Deckers das Publikum an ihren Versuchen teilnehmen, sich zu entspannen. Weil sie ja so vieles ständig aufregt. Doch auch die autogenen Trainingseinheiten waren nicht hilfreich. Naive Tipps und Vorzeige-Teilnehmerinnen raubten ihr auch hier wieder den letzten Nerv.

Der Dritte im Bunde und  mit einem stark kontrastierenden Programm war Torsten Schlosser. Sein Grundsatz „Bühnenregeln sind da, um gebrochen zu werden“ kam auch in Porz zur Anwendung.

Skuril bereits der Einstieg, in dem er gemächlich in der mitgebrachten großen Reisetasche kramt, dies und das aus den Tiefen ans Licht befördert (Mütze/Toupet, Sonnenbrille, einen rot-weißen Pylon, …) und um die Dinge herum kleine absurde Geschichten erzählt: Als er mal Atomenergie mit einem Hamster produzierte, wie er eine Eis-Käuferin (rot-grünes Eis!) als CDU-Wähler verfolgt, vom Eierkauf und Mundtrommel-Gebrauch. Genial die Demonstration einer H+M-Jacke, deren Reißverschluss vollständig bis über die Kopfspitze schließt.

Im zweiten Teil präsentierte Schlosser überzeugend auf Wunsch des Veranstalters zunächst eine Hommage an „Scheibenwischer“: Lisa Fitz hatte vor 25 Jahren 1986 wenige Wochen nach Tschernobyl „Der verstrahlte Großvater“ vorgetragen. Der Bayerische Rundfunk versuchte vergeblich, die ARD zur Absetzung der Sendung zu bewegen und blendete sich dann selber einfach aus.

Sein eigenes Programm führte Schlosser dann mit verblüffenden Passagen aus Zeitungshoroskopen fort, die sich als ideale Quelle für Politikerstatements entpuppten. Zum Abschluss dann griff Schlosser zur Gitarre: Sein Musikstück „Karneval im Bundestag“ war eine freche, zotige Abrechnung mit der Erhabenheit vieler Abgeordnetenauftritte.

 

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