Fünf Jahre Urbacher Bürgerverein!

Welche Rolle spielt der Urbacher Bürgerverein für den Ortsteil Urbach?

Genau diese Frage haben sich meine Vorstandskollegen und ich gestellt.

Als ich vor fünf Jahren den Urbacher Bürgerverein mit einer fast einjährigen Vorlaufzeit gegründet habe, hätte ich nicht im Traum daran gedacht, was so ein Bürgerverein doch alles erreichen und verändern kann.

Vor fünf Jahren war ich überhaupt kein „Vereinsmensch“, wie im übrigen auch keiner der anderen Vorstandsmitglieder, aber ich war unzufrieden und es einfach leid, Urbach – der Stadtteil in dem ich aufgewachsen war – so heruntergekommen, vermüllt und dreckig zu sehen. Ganz ehrlich, manchmal habe ich mich dafür sogar geschämt. Wenn meine Schwester aus dem schnieken Schwerin zu Besuch kam und sagte »Mein Gott, hat sich Urbach verändert, im Vergleich zu früher. Merkst du das eigentlich gar nicht mehr?«.

Alle Grünflächen waren vernachlässigt, und das Unkraut wucherte nur so, Müll lag an jeder Straßenecke, die Spielhallen schossen wie Pilze aus dem Boden und viele Geschäfte standen leer.
Umziehen in einen anderen Stadtteil war für mich keine Option, denn hier lebt meine Familie, hier arbeite ich und hier habe ich meine Freunde. Hier bin ich zu Hause.


Also ging es in die Offensive! Schnell waren aus meinem Bekanntenkreis Gleichgesinnte gefunden und enthusiastisch, wie wir waren, haben wir 2015 den Urbacher Bürgerverein gegründet und einfach losgelegt.

Im Rückblick waren es keine einfachen fünf Jahre. Wir mussten uns

in Vereinsstrukturen einarbeiten,

mit der Verwaltung der Stadt Köln auseinandersetzen (insbesondere im Hinblick auf die Zuständigkeiten),

meist konstruktive Gespräche mit Vertretern der Politik führen,

lernten das Anlegen und Pflegen großer Grünflächen und hier insbesondere die effektivsten Gieß-Techniken in heißen Sommern,

beschäftigen uns intensiv mit der Bekämpfung der zunehmenden Vermüllung und der AWB,

arbeiteten uns in Glücksspielstaatsverträge und andere Richtlinien ein,

lernten viel über Ordnungswidrigkeiten, um nur einige der Punkte aufzuzählen.

Wir schlossen uns mit den vielen anderen engagierten Bürgervereinen im Porzer Stadtbezirk zusammen und gründeten zusammen die Vernetzung der Bürgervereine, denn schnell war klar, dass man gemeinsam viel mehr erreichen kann. Innerhalb des Vereins bauten wir eine Struktur wie in einem Unternehmen auf.
So kamen von Jahr zu Jahr mehr Mitglieder dazu; aber mit mehr Mitgliedern auch mehr Aufgaben.

Auf einmal waren wir

Ansprechpartner in Urbach für viele Bürger, die mit ihren Problemen und Sorgen zu uns kamen:

Wege und Bürgersteige, die durch das Wurzelwerk von Bäumen für viele Passanten zur Gefahr geworden waren,

fehlende Bordsteinabsenkungen, die die Straßenüberquerung für Rollstuhlfahrer oder Senioren mit Rollatoren unmöglich machten,

massiver Drogenhandel in der Nähe der Kirche oder der Kindergärten und Schulen sowie nächtliche Ruhestörungen.

Darüber hinaus aber auch Probleme, an denen wir selbst nichts ändern konnten, für die wir einfach nicht zuständig waren. Es waren oft schwierige und steinige Wege die wir gehen mussten, um unsere Ziele zu erreichen, und manchmal mussten wir auch Rückschläge hinnehmen.

Wenn wir eins in den vergangenen fünf Jahren gelernt haben, dann ist es zäh und ausdauernd zu sein.
Für mich ist ein „Nein“, ein „Ja“ mit Hindernissen.

Das alles kostet Zeit und Kraft. In vielen Bereichen würden wir uns mehr Unterstützung von der Stadt Köln wünschen. So wäre es unserer Meinung nach besser gewesen, anstelle von Dankesplakaten an den Bushaltestellen in ganz Köln Wasserschläuche zur Bewässerung der vielen Grünflächen – für die die einzelnen Bürgervereine die Patenschaften übernommen haben – zu spenden. Damit hätte man uns wirklich tatkräftig unter die Arme greifen können, denn der nächste heiße Sommer steht im nächsten Jahr mit Sicherheit wieder an.

Es wäre uns auch sehr damit geholfen, wenn die Zuständigkeiten bei der Stadt Köln für den Bürger besser geklärt wären. Denn wie der ehemalige Stadtdirektor Herr Dr. Keller einmal sagte „es kann nicht Aufgabe des Bürgers sein, die Zuständigkeiten für die jeweiligen Probleme zu finden. Dies ist Aufgabe der Stadt“.
Ich würde mir wünschen, dass das auch bei den einzelnen Mitarbeitern der Verwaltung verinnerlicht würde. Erst letzte Woche hatten wir eine Begehung mit Vertretern eines Amtes der Stadt Köln. Hier wurde die Zuständigkeit für die angesprochenen Probleme (in diesem Falle die Verschmutzung der einzelnen Grünflächen und Gehwege in Urbach) von einem Amt auf das andere geschoben.

Genau das führt zur Verdrossenheit bei den vielen engagierten Bürgern, und es wäre wesentlich effektiver, wenn alle an einem Strang ziehen würden und die Lösung von Problemen in vielen Fällen nicht der Bürgerschaft überlassen blieb.

Natürlich gibt es in Urbach nach wie vor viele Probleme, die angegangen werden müssen, und einiges liegt weiterhin im Argen. Aber auch wenn eine Veränderung zum Guten noch so klein ist, so ist es ein Schritt in die richtige Richtung. So haben wir in den letzten fünf Jahren

die Patenschaften für 13 Grünflächen übernommen und diese komplett neu gestaltet,

   

   

     

   

24 zusätzliche Mülleimer installiert,

ein Markthäuschen aufwändig instand gesetzt,

die Sanierung von zwei Friedhofszuwegungen,

etlichen Bordsteinabsenkungen sowie einigen wichtigen Tempo-30-Zonen initiiert,

monatliche Müllsammelaktionen sowie Grünflächenpflegetage etabliert,

viele Aktionen zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen organisiert

und vieles mehr.

Mir geht es hier nicht darum aufzuzeigen, wie gut wir sind und was wir alles erreicht haben. Nein, es soll verdeutlicht werden, dass man vor seiner eigenen Haustüre anfangen kann und in kleinen Schritten sehr wohl in der Lage ist, Veränderungen herbeizuführen. Es nützt nichts, immer nur zu jammern, wie schlimm alles ist und darauf zu warten, dass sich Dinge von selbst ändern.

Eigentlich hatten wir vor, zum fünfjährigen Bestehen ein großes Fest mit vielen Weggefährten zu veranstalten. Unter anderem hatten schon einige Politiker aus Land und Bund zugesagt. Leider mussten wir aufgrund der zunehmenden Corona-Fallzahlen die geplante Feier nun doch absagen.

Wenn mich heute jemand fragt, ob ich wieder einen Bürgerverein gründen würde, wäre die Antwort ein ganz klares Ja.

Die Frage, welche Rolle der Urbacher Bürgerverein für den Ortsteil Urbach spielt, sollte nun von jedem, der diesen Text gelesen hat, beantwortet werden können.

Simin Fakhim-Haschemi
1. Vorsitzende Urbacher Bürgerverein e.V.

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